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Meldung von Hendrik Seipel-Rotter am 07. Oktober 2010

Wiesbaden bringt neun weitere Kameras am Hauptbahnhof in Stellung!

Am Bahnhofsvorplatz sowie der Ringunterführung gehen kommende Woche neun weitere Überwachungskameras in Wiesbaden ans Netz. Mit vier neu eingestellten Ordnungsamtsmitarbeitern, die die Bilder sichten, soll das Kameranetz in Zukunft Wiesbadens Bahnhof sicherer machen.
 
Kameras verhindern keine Delikte, auch wenn dies immer wieder behauptet wird. Sie schützen auch niemanden vor Straftaten und ob sich Menschen durch Kameras wirklich sicherer fühlen darf zuminderst ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Sicher dagegen ist, dass sie sich durch sie beobachteter fühlen. Wir Piraten lehnen es ab, die Privatsphäre aller Menschen zu opfern, um sinnlose Sicherheitsprojekte zu realisieren. England, Vorreiter im Installieren kleiner Kästen mit Linse, verzeichnete trotz Überwachung einen Anstieg der Kriminalität. In New York zum Beispiel wurde durch die Einstellung von Sicherheitspersonal die Kriminalitätsrate dagegen deutlich gesenkt.
 
Sicherheit wird dort hergestellt, wo Menschen Straftaten aktiv verhindern. Das kann durch Zivilcourage geschehen oder auch durch Sicherheitspersonal vor Ort. Mit den 240.000.-EUR, die in die Anlage gesteckt wurde und den vier Stellen vom Ordnungsamt, die sich tagsüber die Videobilder ansehen, könnten neun Sicherheitsbeamte im Dreischichtsystem zu je drei Mann den gesamten Bahnhofsbereich patrouillieren und obendrein erkannte Ladendiebe verfolgen, die die Kameras bisher weiter unbehelligt lassen.
 
Dass es auch ganz ohne Gewalt geht, zeigen Präventionsprogramme. Auch dafür ein Rechenbeispiel.  Die Polizei beziffert die Zahl der Delikte am Bahnhof auf 244 im Jahr 2008. 139 davon sind allerdings Ladendiebstähle. Diese werden von den Kameras, die ja außerhalb des Bahnhofs installiert werden, gar nicht erfasst. Zieht man die weiterhin unbeobachteten Ladendiebstähle von den 244 pro Jahr gemeldeten Strafteten ab, so kommt man auf 105 im Jahr - also im Durchschnitt knapp jeden vierten Tag eine. Teilt man die 240.000.-EUR durch die 105 Delikte, die diese verhindern sollen, schlägt jede dieser Straftat im Installationshaushalt mit 2286.-EUR zu Buche. Das entspricht wohl in etwa dem Monatslohn eines Sozialarbeiters, der sich tagtäglich mit straffällig Gewordenen beschäftigen und so die ein oder andere Tat sicher verhindern könnte, statt diese nur zu beobachten.
 
Um Überwachung sichtbar zu machen haben die Wiesbadener Piraten ein Projekt zur Erfassung aller Überwachungskameras, die öffentlichen Raum in Wiesbaden filmen, gestartet.  Mittlerweile sind 64 Kameras kartographiert. Der Kreisverband Chemnitz hat mittlerweile unsere Idee adaptiert und kartographiert nun ebenfalls. Wuppertal steht in den Startlöchern, weitere Piratenverbände haben Interesse bekundet.
 
Freiheit verträgt keine Kameras. Sicherheit braucht keine! Die Piraten werden am 27.03. zur Wahl stehen. Eines der Ziele in Wiesbaden ist es, den Überwachungswahn zu beenden und Kameras aus dem Stadtbild zu verbannen.

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