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Judith Seipel-Rotter
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Pirat

Wer schweigt, stimmt zu - das gilt damals wie heute.

Piratengedanke von Judith Seipel-Rotter am 31. Dezember 2012 über ...

Wer ist der größere Tor? Der Tor oder der Tor, der ihm folgt?

Es ist völlig richtig, daß auch ich zunächst befremdet reagieren würde, hörte ich nur von einer Entscheidung zweier Vertrauenspersonen und der Welle der Empörung lauter Stimmen auf Mailinglisten. Meine erste Reaktion wäre allerdings „Traue keinem Plakat: Informier Dich“. Kann es sein, daß das die Hälfte der Schreiberlinge in erster Instanz schlicht vergessen hat bei all dem Geschrei? Sich grundlegend zu informieren? Sich alle Seiten anzuhören, um sich eine fundierte Meinung zu bilden?

Die Geschichte sehe ich nämlich so: Es gab eine Zeit vor Tangermann. In dieser Zeit schief der Kreisverband Wiesbaden so träge vor sich hin. Allenthalben beklagte sich jemand darüber, daß niemand etwas täte, doch das genügte nicht, um wieder irgendeinen Schwung in die Sache zu bringen. Also hatte jemand die an sich grandiose Idee, die Piratenschaft im Kreis wieder zu bewegen, indem man an der OB-Wahl teilnehmen wollte. Wahlen lösen schließlich oft genug erstaunliche Aktivität aus, gerade bei uns. Jetzt fehlte nur noch ein Kandidat. Diverse Piraten wurden gefragt, ob sie sich nicht aufstellen lassen wollten – unter vielen anderen übrigens auch die jetzt so geschmähten, wie Bernd Fachinger, Kristof und nicht zuletzt auch Hendrik. Keiner von diesen hat den Posten haben wollen. Ein Casting wurde also allseits gewünscht. Was hier weiter geschah, könnt ihr Hendriks Bericht entnehmen, das muß ich nicht noch einmal wiederholen.

HJT wurde OB-Kandidat, das stimmt. „Weil er halt so gut reden kann und besser rüberkommt“. Aalglatt, geschickt und rhetorisch äußerst geschult ist es einem Tangermann gelungen, Euch nach und nach zu reinen Erfüllungsgehilfen zu machen. „Der schafft was weg“ – ja und das war alles, was ihr brauchtet? Keine Frage, was oder wohin? Hauptsache, es war wieder Aktivität im KV? Hauptsache, man konnte irgendwas tun, egal was? Ihr habt Euch dazu bringen lassen, Aussagen zu bestätigen wie „Transparenz ist eine Holschuld“. Viele haben ganz dolle schlechtes Gewissen bekommen, weil er ja so viel Geld in den Wahlkampf steckt, da hat er auch das Recht... Das Recht gehabt, uns alle dafür zu kaufen? Und jetzt wird jeder gefragt, ob er für oder gegen Tangermann ist, daran ließe sich festmachen, wer Pirat ist und wer nicht? So einfach darf man es sich in dem hier vorliegenden Fall beleibe nicht machen.

Ihr müßt Euch allesamt an die Nase fassen. JEDER von Euch wäre verpflichtet gewesen, näher hinzusehen und frühzeitig gegenzusteuern. JEDER hätte zusehen müssen, daß dieser Wahlkampf eine Piratensache bleibt und keine Tangermann-Selbstverwirklichung. JEDER hätte einen aKPT fordern können, um zu überprüfen und demokratisch zu entscheiden. JEDER hätte sich einem Demagogen entgegenstellen können, der auch jetzt nicht müde wird, Euch jeden Tag mit einer neuen Paranoia-Verschwörungstheorie einzulullen. Vier verschworene Verräter von der Fraktion bezahlt – glaubt ihr das? Seriously? Genügt ein Tangermann, um Euch alle komplett umzudrehen? EINER muß den Anfang machen – ehrlich? Seid ihr alle nichts wert? Ist es nur der EINE Führer, der dem KV Leben einhauchen kann? Habgt ihr nicht schon alle lange den Anfang gemacht? Gemeinsam? Und jetzt, wo es zu spät für alles andere war, sind 2 Vertrauenspersonen ihrem Gewissen gefolgt und haben etwas getan, was sich alle anderen Parteien noch nie getraut haben: Sie haben den unweigerlich folgenden und abzusehenden Shitstorm auf sich genommen, um einen Fehler zu korrigieren. Eine Gewissensentscheidung, die uns damals im Falle Aaron Königs wirklich weitergeholfen hätte.

Und wer redet denn hier von einer Entscheidung „gegen den ganzen KV“? Sind denn die, die am lautesten schreien, die Mehrheit? Denkt noch einer selbst? Möchte noch jemand objektiv bewerten, ab welchem Punkt er selbst hätte früher eingreifen sollen, bevor eine Wenn-ich-König-von-Deutschland-wär-Nummer daraus wird? Kann nicht einer mal froh sein, daß es noch Piraten gab, die sich nicht haben einwickeln lassen von jemandem, der schnell bereit ist, die hanebüchensten Gerüchte für seine Zwecke zu nutzen und die Folgen auf seine Mitstreiter abzuwälzen? „Der Günni hat mir erzählt“ und dann folgt eine lächerliche Verdächtigung, Hendrik habe an seinen Bekannten von der SPD den Wahlkampf verraten. Ja, schnell mal eben diskreditiert – und wenn‘s nicht stimmt, dann war es ja der Günni, der das gesagt hat. Das sind die Methoden des feinen Herrn Tangermann, dem jetzt in Wiesbaden ein Ehren-Opferdenkmal gesetzt werden soll.

Und was soll das heißen, eine Vertrauensperson wurde unter Druck gesetzt? „Mir hat er am Abend um halb elf zuvor noch gesagt, er steht hinter mir“. Kann man sich hier nicht ebenso fragen, weshalb eine Vertrauensperson um halb elf noch eben angerufen wird? Wenn ich jetzt eine Tangermann-Paranoia-Geschichte darum spinnen wollte, müßte ich einen anderen Piraten vorschicken, der Euch brüllend die Geschichte vom telefon-drohenden Tangermann in der Nacht erzählen würde. Dieses Demagogen-Niveau betreibe ich aber nicht. Bullshit. Jeder ist seinem Gewissen verpflichtet. Und im Übrigen auch seinem eigenen Gehirn. Und jeder weiß, daß er die volle Verantwortung für sein eigenes Handeln trägt und was daraus erwächst.

Nicht zu handeln ist hier mit eingeschlossen, auch für diese Folgen trägt jeder die volle Verantwortung.

„Wer ist der größere Tor? Der Tor oder der Tor, der ihm folgt?“

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