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Piratengedanke von Nicolas Dorwig am 23. Dezember 2010 über ...

Warum (Wiki-)Leaks so wichtig sind

Angeregt durch die letzten Piratengedanken von Michael und Kristof im Folgenden meine Gedanken zu Wikileaks die mir in den letzten Wochen schon im Kopf herumschwirrten:

Eins vorweg: Leaks im Allgemeinen und Wikileaks im Besonderen sind extrem wichtig. Wie die vergangenen Wochen und Monate gezeigt haben scheinen sie eine sehr effiziente Möglichkeit zu sein, den Etablierten und Mächtigen dieser Welt klar zu machen, dass sie nur dann das Vertrauen der Bürger erhalten, wenn sie offen und transparent arbeiten. Leaks sollten den Personen, Institutionen und Staaten so extrem wie möglich vor Augen führen, dass alles was irgendwo in einem dunklen Hinterzimmer unter der Hand passiert irgendwann wieder ans Tageslicht gebracht wird.

Was aber auch von vornherein klar sein sollte: Das Private sollte auch weiterhin privat bleiben. Jeder Mensch als Individuum hat ein Recht auf Privatsphäre. Nur ist ein Staat nun mal nicht ein Privatperson sondern letztendlich nur ein sehr großer Verwaltungsapparat für die Bewohner eines Landes. Und an dieser Stelle hört für mich die Privatsphäre auf: Verwaltung jeglicher Art muss so transparent und öffentlich sein, wie es nur geht! Und das auf jeder Ebene: Ob es sich nun um Mammutprojekte wie “Stuttgart 21”, die Stadtentwicklung oder andere Dinge handelt, die die Öffentlichkeit betreffen: Jeder Bürger (der ja letztendlich auch seine Steuergelder dazu beiträgt) hat ein (Mitbestimmungs-)Recht darauf zu erfahren, was mit Geldern in öffentlicher Hand passiert!

Eigentlich sind die richtig dicken Leaks aus diesem Jahr nur die Spitze des Eisbergs. Aus meiner Sicht sollte so viel wie möglich geleaked werden. Wenn ich die Piratengedanken von Michael Göttenauer zum Thema “Mauritiusgalerie” lese wird mir wieder klar warum ich so vehement diese Transparenz fordere. Das Beste was in diesem Fall passieren könnte wäre ein Leak aus der Wiesbadener Stadtverwaltung der die mögliche Intransparenz so richtig öffentlich werden lässt.

Leaks sollten zur Normalität werden, denn nur wenn in den Machtpositionen die Angst vorherrscht, dass korrupte und intransparente Vorgänge jederzeit an die Öffentlichkeit gelangen könnten, dann würde ich es mir als Verantwortlicher zwei Mal überlegen bevor ich an der falschen Stelle “Ja” sage oder mich mit den falschen Geschäftspartnern einlasse. Die Angst vor Leaks muss das permanente Salz in den Wunden von Korruption und Intransparenz sein!

Das Internet (und Wikileaks im Besonderen) sind eine wunderbare Plattform für das veröffentlichen von Leaks. Denn ein Grundsatz besagt: “Das Internet vergisst nicht!” und “Was einmal im Internet ist bekommt man da nicht mehr weg!” Speziell die überwältigende weltweite Spontanakzeptanz der Leaks zeigt schon wie vielen Menschen die Wahrheit wichtig ist. Wikileaks ist nur der Anfang um eine stabile, anonyme, unzensierbare und ausfallsichere Veröffentlichung von Leaks zu ermöglichen. Eigentlich braucht es viele viele Plattformen wie Wikileaks, viele Sympatisanten und natürlich viele Menschen, die Material zum Veröffentlichen bereitstellen. Und das ab Besten auf der ganzen Welt. Leaks sind nicht nur auf dem großen Parket der internationalen Diplomatie und Weltpolitik sondern auch auf kommunaler Ebene ein sehr wichtiger Beitrag für Aufklärung und Transparenz.

Gleichzeitig ist es wichtig, und das zeigt Wikileaks in den vergangen Wochen sehr deutlich, dass Veröffentlichen von brisantem Material auf keinen Fall an eine Person gebunden sein darf. Die ungünstige Konstellation mit Julian Assange an der Spitze von Wikileaks und der Angreifbarkeit seines Privatlebens macht auch die ganze Bewegung angreifbar. Zukünftige Leaks und Leakplattformen sollten von diesen Fehlern lernen. Derartige Plattformen erfordern ein hohes Maß an Ausfallsicherheit und Resistenz gegen Zensur sowie Anonymität aller beteiligten Personen.

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