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Bernd Fachinger
Bernd Fachinger

Vorsitzender des KV Wiesbaden

Piratengedanke von Bernd Fachinger am 15. März 2011 über ...

Paradigmenwechsel: Wasser als Ware

Als letzten Winter die Schneefälle so stark waren, dass ich nicht einmal mehr einen Parkplatz für mein Auto finden konnte, gönnte ich mir den Spaß, einmal zu überschlagen, wieviel Wasser da eigentlich heruntergeschneit sein mochte. Ich nahm an, dass pro Quadratmeter ein Kilogramm Schnee lag, und versuchte, das auf die Stadt Taunusstein hochzurechnen. Es waren rund 67.000 Tonnen. Für Hessen ergab mein Rechenspielchen 21 Millionen Tonnen. Für ganz Deutschland waren es 352 Millionen Tonnen.

Wasser, scheinbar aus dem Nichts, völlig kostenlos, gar deplaciert und im Übefluss. Die Stadt musste es wegkarren und zum Schmelzen zwischenlagern, wo es niemanden "stört" oder "behindert".

Gestern, Kneipe 60/40, Schlachthof Wiesbaden: Aufführung des vom Vorführungsverbot bedrohten Dokumentarfilms "Water makes Money". Er handelt von Wasser als Ware, die von Großkonzernen zur privaten Gewinnmaximierung gehandelt wird. Als sogenannte Public Private Partnership-Projekte (PPP). Das bedeutet: Menschenansiedlungen, also Kommunen oder Länder, verkaufen ihre Versorgungssysteme, um sie im selben Moment für Jahre und Jahrzehnte zurückzumieten.

Aber halt mal: wie passt das zusammen? Gewinn aus etwas erzielen, das im Überfluss, und noch dazu kostenlos, vorhanden ist? Die Antwort lautet: Gewinn gibt es nur da, wo Mangel herrscht.

In Bezug auf Wasser ist es der Mangel an individuellem Zugang zu Grundwasser in Form von Brunnen. Ganz besonders dort, wo die Menschengemeinschaft sich aus wirtschaftlichen Gründen auf engem Raum niederlässt. Also haben die Menschen sich Verteilungssysteme geschaffen, zu dem jeder sein Schärflein beigetragen hat. Das nennt man Infrastruktur, und es ist sinnvoll, für eine solche Steuern zu erheben. Damit ist sie Eigentum der Gemeinschaft.

Damit wäre ja nun eigentlich das Argument des Mangels obsolet. Jeder hat nun Zugang zu Wasser, Wartung und Betrieb des Verteilersystems können günstig auf alle Verbraucher umgelegt werden. Eitel Sonnenschein, wäre da nicht die schwierigen finanzielle Situation in Kommunen, Bezirken oder ganzen Ländern! Ohne näher darauf eingehen zu wollen, woher diese rührt: Viele Menschengemeinschaften sahen in den vergangenen 25 Jahren ihr Heil der Sanierung ihrer Geldmittel in eben diesem Verkauf ihrer ureigensten Lebensbasis, ihres Tafelsilbers. Zumindest war das die Argumentation jener, die in mehr oder weniger demokratisch legitimierten Positionen solche Verkäufe vorantrieben. Und dafür nicht selten persönliche Vorteile wahrnahmen, was zu allem führte, nur nicht zur Steigerung des Gemeinwohls...

Nun ist das so mit dem Mangel: wo, aus welchen Gründen auch immer, keiner herrschen sollte, lässt sich welcher schaffen respektive herbeireden. Der Phantasie von Geschäftemachern und Abzockern sind da keine Grenzen gesetzt. Und falls doch, sorgen sie dafür, dass diese Grenzen zu ihren Gunsten verschoben oder gar aufgehoben werden. Dazu bieten sich an: Bestechung und Korrumpierung von Politikern, Installation der eigenen Leute in der Politik, Meinungsmache über Medien, das Übliche halt. Am Geld scheiterte die Wahrnehmung ihrer unternehmerischen Interessen jedenfalls nicht. Das mussten auch die Kommunen und Länder als "Geschäftspartner" der Wasserhändler erfahren, deren Haushalte fortan von "schwierig" zu "desaströs" kippten. Die Preise stiegen, die Infrastruktur verrottete, während die Gewinngarantien an die Unternehmen eingehalten werden mussten, was diese wiederum in die Lage versetzte, noch mehr Kommunen mit ihrer Dienstleistung zu "beglücken"...

Glücklicherweise begreifen mehr und mehr Menschen, auf was sie sich da eingelassen haben. Die Verträge laufen aus, sie besinnen sich zurück auf ihre Wurzeln als Lebensgemeinschaft mit Allmende.

Der vernunftbegabte Mensch mag sich fragen: wie um alles in der Welt kann man nur seine Lebengrundlage ohne Not zu einem monetär gewinnbringenden Wirtschaftsgut machen? Wer käme auf die Idee, zB. das Atmen zu vermarkten? Man stelle sich vor, man hätte nur ein gewisses Kontingent an Atemluft, und für darüber hinausgehenden Verbrauch müsse man womöglich Zertifikate kaufen, bemessen am CO2-Ausstoß...

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