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Kristof Zerbe
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Selbst denken und sich dazu äußern heißt Bewegung. Stillstand ist nicht akzeptabel.

Piratengedanke von Kristof Zerbe am 15. März 2011 über ...

Die zweite Säkularisierung: Trennung von Staat und Wirtschaft

Aktuell bringt, nach dem schweren Erdbeben in Japan und dem daraufhin havarierten Atomkraftwark Fukushima, die Menschen wieder einmal die Angst vor einer atomaren Katastrophe um den wohlverdienten Schlaf. Schneller als es Angela Merkel lieb sein konnte, wird auch der von der konservativen Koalition ausgesetzte Atomausstieg wieder auf den Prüfstand gestellt. Und das so kurz vor wichtigen Wahlen. Der politische Super-GAU.

Die Frage ist, wie es soweit kommen konnte. Seit die Grünen in den 80ern vehement gegen die Atomkraft vorgegangen sind, hat sich doch das zarte Pflänzchen der atomaren Ablehnung in den Köpfen der Menschen festgesetzt und schließlich dazu geführt, dass der Ausstieg beschlossen wurde, als die Pflanze stark genug war. Der Rückfall scheint nur dadurch begründet werden zu können, dass die Parteien unterschiedlich stark auf Lobbyarbeit reagieren. Die CDU und ihr Koalitionsfortsatz FDP hatten dem Widerstand der Wirtschaft wohl nichts entgegenzusetzen, denn auch diesen Menschen muss klar sein, mit was für einem Dreck wir unseren Planeten vergiften.

Und nun wird es spannend ... was ist übler? Abgebrannte Brennstäbe oder eine Energie-Lobby, die gewissenlos Einfluss auf die Politik nimmt, um immer mehr Geld zu verdienen? Ich finde die Lobbyisten...

Der von mir sehr geschätzte Autor James Redfield vetritt die These, dass der Mensch etwas braucht, woran er sich klammern kann. Etwas was ihm die Welt erklärt. Vom Mittelalter bis ins 17./18. Jahrhundert übernahm in unseren Breitengraden die Kirche diese Rolle. Die christliche Religion hatte einen enormen Einfluss auf das Denken und Handeln der Menschen. Erst durch die Aufklärung kam es zu einer schrittweisen Säkularisierung, also der Trennung von Kirche und Staat, und die Wissenschaft löste in den Köpfen der Menschen die Religion als mentalen Anker ab.

In den 20./30. Jahren des letzten Jahrhunderts, als so gut wie alles entdeckt, alles erforscht, alles erklärt zu sein schien, merkte man, dass auch die Wissenschaft nicht die gewünschten Antworten liefern konnte. Das leere Gefühl war wieder da und die meisten Menschen versuchten es durch schieren Konsum zu füllen. Das Geld und damit die Wirtschaft übernahm die Rolle des Heilsbringers, des Fluchtpunktes. Mit einem mal war es das wichtigste kurzfristig mit allem möglichst viel Geld zu scheffeln, aller Moral und Vernunft zu Trotz. Hiroshima hat gezeigt wie gefährlich Kernspaltung ist, aber die Atomkraftwerke schossen wie Pilze aus dem Boden.

Wenn man es also mal genau betrachtet, haben wir also in den letzten 2 Jahrhunderten unser "Seelenheil" von der Religion in die Hände der Wirtschaft gelegt und werden nun von dieser ähnlich rücksichtslos behandelt wie damals von der Kirche und ihren Handlangern.

In den 1960ern begannen im Westen allerdings die ersten daran zu zweifeln, ob das Geld an sich alle Menschheitsprobleme lösen kann und wir wissen heute, spätestens seit der Bankenkrise, mit absoluter Gewissheit das dem nicht so ist. Im Gegenteil. Private Organisationen mit Gewinnerzielungsabsicht, sind per Definition nicht an der Weiterentwicklung des Gemeinwohls interessiert, sondern nur der Maximierung ihrer Bemühungen.

Was also liegt näher, als die einmal so erfolgreich durchgeführte Säkularisierung erneut anzuwenden?
Was spricht dagegen, wenn wir versuchen jeglich Einflussnahme der Wirtschaft auf die Gesellschaft einzudämmen und die Lobbyisten zum Teufel zu jagen, wie wir es bereits einmal mit den Vetretern der Kirche getan haben?
Wie würde unsere Gesellschaft in einigen Jahrzehnten aussehen, wenn Korruption sagen wir mal mit der Aberkennung der Geschäftsfähigkeit auf Seiten des Korrumpierenden und des Korrumpierten abgestraft werden würde?
Wäre es so dramatisch Public-Private-Partnership-Projekte vollständig zu verbieten und die Mandatsträger dazu zu zwingen sich etwas besseres einfallen zu lassen, als das kommunale Tafelsilber in private Hände zu geben?
Ist es nicht sinnvoll Politiker wie unseren Oberbürgermeister Müller daran zu hindern sein Mandat als kommunaler Oberhirte mit privaten Ämtern wie dem Stiftungsvorstand der privaten Hochschule EBS, Ausichtsratsvorsitzender der ESWE Versorgungs AG oder einem Sitz im Verwaltungsrat der Nassauischen Sparkasse Wiesbaden verbinden zu können?

Ein wichtiger und notwendiger Schritt hin zu einer Gesellschaft mit einem in die Schranken verwiesenen kapitalistischen Fehlverhalten ist die Transparenz. Wenn die Menschen immer wieder mit den nackten Tatsachen konfrontiert werden, wird irgendwann die wütende kritische Masse erreicht sein. Kein leichter Prozess, aber ein unabdingbarer für Menschen, die sich einen Restbestand an Moral erhalten haben.

Klarmachen zum ändern!

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