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Judith Seipel-Rotter
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Pirat

Wer schweigt, stimmt zu - das gilt damals wie heute.

Piratengedanke von Judith Seipel-Rotter am 08. November 2010 über ...

Der Zorn gärt - und der Wettlauf gegen die Überwachung hat längst begonnen

Ob Castor oder Stuttgart 21 - der Zorn macht sich langsam Luft. Spätestens jetzt beginnt der etwas verschleppte Wettlauf gegen den Überwachungsapparat. Überwachung kommt nicht aus heiterem Himmel, sie verfolgt immer einen Zweck. Und so naiv sind die Herrschenden nicht, als daß sie nicht selbst genau wüßten, daß eine Handvoll islamisch inspirierter Terroristen keine Gefahr für Deutschland sind. Nein. Die Angst in Führungskreisen hat andere Gründe. Handfestere Gründe. Frankreich, Griechenland. Hier zeigte sich als erstes, was aus Sozialem Unfrieden erwächst: Der Zorn der Bevölkerung.

In Deutschland brennen noch keine Vorstädte, doch die Luft wird dünner. An sich ist Stuttgart 21 kein solch aufsehenerregendes Projekt. Derlei Projekte gab es viele, ohne daß sich deswegen mehr bewegt hätte, als die ‚ewigen Mahner und Protestler‘, denen ansonsten nicht viel Gehör geschenkt wird. Allenfalls ein mürrisches und privates Gebrummel hätte es gegeben - und in einem halben Jahr spätestens hätte es wieder jeder vergessen.

Und jetzt? Jetzt wird der Protest bürgerlicher. Der innere Zorn sucht einen Anlaß, einen Aufhänger. Das ist nicht das Schlechteste - richtet sich der Zorn nämlich nicht nach außen, dann richtet er sich nach innen. Zorn, der nicht nach außen geht, macht krank, verletzt die Seele und knabbert am Lebenswillen. ‚Unerklärliche‘ Amokläufe sind die fast schon logische Folge aus aufgestautem Zorn, der innen ausgetragen wird. Daran ändert kein einziges Killerspielverbot etwas. Doch die Depression wandelt sich mehr und mehr in Aggression. Da nicht sein kann, was nicht sein darf und man somit keine Zweifel an einem System aufkommen lassen möchte, das nicht den Menschen, sondern nur den Profit zum Ziel hat, bleibt der Zorn ungerichtet. Und doch ist er da. Er wird sich entladen. An einzelnen Punkten. Niemand weiß, wann oder wo. Und genau hierfür möchte man gerüstet sein.

2013 wird das Europäische Forschungsprojekt INDECT beendet sein. INDECT wird endlich Ergebnisse bringen. Daten jedes Bürgers aus sämtlichen Datenquellen miteinander verknüpfen und auswerten. Eigenständig verdächtiges Verhalten auf der Straße registrieren und melden. Mit INDECT wird man versuchen, vorauszusehen, wo Protest aufkommen kann - im Idealfall bevor es die Protestierenden selbst wissen. INDECT ist ein Instrument, von dem man sich Einschüchterung, vor allem aber Kontrolle verspricht. Eine Möglichkeit, die Kontrolle zu behalten, ohne auf den Menschen rücksichtnehmen zu müssen.

INDECT ist aber nur ein Baustein von vielen, vielen Überwachungsmaßnahmen, die in Form von Sicherheitspaketen binnen kürzester Zeit durch die Parlamente gepeitscht wurden und werden. Noch können wir unzensiert und abseits der Meinungsmache Blogs und Berichte anderer Menschen lesen und auch selbst Informationen verbreiten. Offen reden. Uns offen versammeln. Offen unseren Protest ausdrücken. Diese Möglichkeiten müssen wir nutzen. Wenigstens versuchen, die Ungerechtigkeit zu beenden und den Menschen selbst zum Zentrum des Interesses machen. Die Totalüberwachung wird uns diese Möglichkeiten nehmen.

Klarmachen zum Ändern - bevor es zu spät ist.

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