Meldungen
Piratengedanken
Pressemitteilungen
Meldungen
Piratengedanken
Kristof Zerbe
Kristof Zerbe

Pirat

Selbst denken und sich dazu äußern heißt Bewegung. Stillstand ist nicht akzeptabel.

Piratengedanke von Kristof Zerbe am 03. April 2012 über ...

Cicero, Herr Meyer und die Piraten

Da postet jemand folgenden Link über die Mailingliste mit der Aufforderung zum Spass haben und mir vergeht irgendwie das Lachen ob solcher Ignoranz.

   http://www.cicero.de/videos/meyers-monolog-die-piraten-sind-die-lobbypartei-toxischer-kraefte

In dem Video sitzt unter der Überschrift "Meyers Monolog" ein älterer Herr mit schweizer Dialekt und hält mit einem Cicero-Moderator einen Dialog über die Piraten. Zunächst entfleucht dem Herrn folgender Satz:

Ich versuche seit Längerem herauszufinden um was es sich handelt bei den Piraten ... keine Partei, keine Bewegung, ein Phänomen...

Sehr gut informiert scheint er also schon mal nicht zu sein. Er hat weder eines unserer Programme gelesen, noch hat er sich mit der allgemeinen Gesellschaftkritik der Piraten beschäftigt. Aber er hat so einen schönen philosophischen Touch der Herr Meyer, also lassen wir ihn reden.

... man könnte auch sagen die Piraten verstehen die Demokratie nicht, die Bedarf nämlich der strukturierten Bewegungen, die sich klar ausdrücken was sie wollen, die ein Ziel haben, der mehr Substanz haben als den IT-Bereich...

Programme lesen, Meyer, Programme lesen! Und bitte nicht die Zeitungen aus dem Jahr 2006 als sich die Piraten als eine Art Internet-Aktivisten-Club gegründet haben.

Keine Partei hat es jemals geschafft sich "from-the-scratch" in so kurzer Zeit ein solches Programm zuzulegen. Es deckt mitnichten alle gesellschaftlichen Bereiche ab, aber diejenigen, die den Mitgliedern und abertausenden Menschen in unserem Land aktuell sehr wichtig sind. Kurz, prägnant und etwas überspitzt könnte man es so formulieren: Abkehr von der aktuell herrschenden repräsentativen Diktatur und der unumschränkten Macht des "Marktes".

Das nenn ich mal ein Ziel! Herr Meyer, wann hatten sie zuletzt das Ziel die Welt zu verändern? Anders als sie verstehn wir unter dem Begriff Demokratie eher das altgriechische Ideal der "Herrschaft des Volkes" als eine verschwurbelte Idee einer strukturierten Parteienlandschaft.

Wenn wir bedenken was für ... hochgefährliche, wirklich, toxische Kräfte hinter der ganzen IT-Geschichte stehen ... Google ... Facebook ... keine andere Partei ist so sehr Lobby-Party .... mächtigester wirtschaftlicher Interessen wie die Piraten

Ja, Herr Meyer, vollkommen richtig. Google, Facebook, auf die Finger hauen, ja! Aber die Piratenpartei mit in diesen Topf zu werfen ist nicht nur dumm, sondern ignorant. Keine andere Partei hat sich mehr DATENSCHUTZ auf die Fahnen geschrieben als die Piraten und das bezieht sich nicht nur auf die schlampige Arbeit der Bundesregierung, sondern auch auf die IT-Industrie. Viele von uns haben auch ein Facebook- oder Google-Konto, aber als Privatmenschen oder Marketinginstrument. Im Maschinenraum der Piraten stehen aber eigene Open-Source-betriebene Server und jeder der da ran will muss sich 90 Minuten Datenschutz belehren lassen.

Wir versuchen den Menschen den richtigen Umgang mit dem dem Internet beizubringen, Stichwort Medienkompetenz, weil wir es als Werkzeug nutzen und nicht nur ein bißchen "rumspielen", aber wir sind nicht Teil des Internets oder lassen uns von "gierigen Profiteuren", wie sie die Zuckerbergs dieser Welt richtigerweise bezeichnen, vor den Karren spannen. Das genaue Gegenteil ist der Fall!

Wenn jemand den Versuchungen der IT-Industrie wiederstehen kann, dann sind es wir, denn wir haben das Internet und seine Mechanismen verstanden, genauso wie wir die Marktmechanismen verstanden haben, die sich zum Beispiel hinter dem FDP-Leitsatz "Leistung muss sich wieder lohnen" verbergen.

Je weiter das Monolog-Interview geht, desto mehr bekomme ich den Eindruck der Mann redet vom 16-jährigen Sohn der letzte Woche Partybilder von Papa bei Facebook hochgeladen hat und nicht von unserer Partei. Aber wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der nun folgende Frage stellt:

Könnte man sagen sie (die Piraten) sind dann die 5. Kolonne von Google und Facebook?

Arrrgh ... Cicero! Und ihr habt im Logo etwas von "politischer Kultur" stehen? Entweder ihr wollt dem Herrn Meyer noch mehr Unsäglichkeiten aus der Nase ziehen und seid damit nicht besser das die BILD oder man muss euch als reaktionäres CDU-Kampfblatt abtitulieren.

Dass Herr Meyer keinen Schimmer hat wovon er redet, sollte jedem der auch nur 2 Minuten des Interview gesehen hat, klar sein. Er redet von dem was ihm seine Kinder übers Internet und die Piraten erzählen, aber dass sich Journalisten so von konservativen Kräften vor den Karren spannen lassen, ist wirklich spannend zu beobachten. Wie sagte Ghandi? "Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich..." In diese Phase sind wir nun und Cicero gehen wieder ein paar Abonnenten verloren, weil sie annähernd 25.000 Menschen, die eine Idee von einem anderen Staat haben ohne Not ans Bein pinkeln. Politische Kultur ... das ich nicht lache!

Kommentare

Um einen Kommentar zum Thema abzugeben, musst Du Dich über ein dezentrales Authentifizierungssystem wie Facebook, Twitter, Yahoo oder OpenID anmelden.

powered by Disqus