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Jörg Sobek
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Pirat

Zukunftsorientierte Politik ist kein Windfähnchen, sondern ein Segel mit Rückenwind

Piratengedanke von Jörg Sobek am 31. August 2010 über ...

3, 2, 1 und Deine Daten reisen um die Welt

Wir nutzen alle gerne Onlineauktionen und -bezahldienste. Hierdurch wurde ein Maß an Transparenz über das Angebot erreicht, wie nie zuvor. Schade für die lokalen Printmedien, die etliche Anzeigenkunden hierdurch verlieren, schön für den Verbraucher. Mit Hilfe dieser Dienste ist es heute auch ein Kinderspiel, Waren im Ausland zu ver-/kaufen und zu bezahlen.

Die meisten Internetnutzer werden sich allerdings darauf beschränken, in Deutschland zu ver-/kaufen. Wer jetzt glaubt, sein Geschäft wird in jedem Punkt nach deutschem Recht abgewickelt irrt. Häufig ist der Sitz der Anbieter großer Marktplätze und Zahlungssysteme nämlich gar nicht in Deutschland. Einer der großen etwa ist in Luxemburg zuhause.

Und wo sind die Daten? Irgendwo in der Welt! Die Standorte großer Rechenzentren werden - auch aus Angst für Anschlägen - meist geheimgehalten. Selbst wenn ein Serverstandort in Deutschland angegeben wird, ist es Standard, Backup-Rechenzentren hinzuzuziehen - Standort unbekannt. Am beunruhigendsten aber sind Allgemeine Geschäftsbedingungen, die Datenabgleiche mit Auskunfteien irgendwo im Ausland vorsehen. Kein Mensch (Kunde) weiß, wie dort mit den personenbezogenen Informationen umgegangen wird und der deutsche Datenschutzbeauftragte ist nicht zuständig.

Ein Beispiel (nicht erschrecken):

Zahlungsabrechnungsstellen in Australien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Irland, Italien, Indien, Neuseeland, Niederlande, Schweden, Spanien, USA erhalten im Rahmen der Zahlungsverarbeitung, Betrugsüberprüfung und/oder Konfliktbehandlung Name, Adresse, Details zu Finanzierungsinstrumenten des Nutzers, Details zu Zahlungsvorgängen, Transaktionsdatum und -betrag, Währung und/oder Bankverbindung des Nutzers

Nach außen verlagerter Kundendienst in Deutschland, Frankreich, Philippinen, Tunesien, USA erhält für Kundenservice per Telefon und E-Mail, Einstellung und Optimierung von Spracherkennungssystemen für den telefonischen Kundenservice Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, gekürzte und beschränkte oder vollständige Angaben zu Zahlungsquellen, Ablaufdaten der Zahlungsquellen, Identitätsnachweis, Kontostand und Transaktionsdaten, Abrechnungen und Berichte von Kunden, kontobezogene Korrespondenz, Versanddaten, Informationen zu Werbezwecken und/oder Aufnahmen von ausgewählten Kundengesprächen, in denen Kontoinformationen im Gespräch genannt werden können.

Kreditauskunftsbüros in Deutschland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Spanien und über diese weltweit erhalten für Identitätsnachweis, Ermittlung der Kreditwürdigkeit eines Kunden, Durchführung von Kontrollen zur Vermeidung und Erkennung von kriminellen Handlungen, Hilfe bei Inkasso, statistische Analyse, Untersuchung der Eignung neuer Produkte und Dienstleistungen und Systemüberprüfung, zur Überwachung und Verhinderung von Betrugsfällen Name, Adresse, Geburtsdatum, unter der Adresse wohnhaft seit, Telefonnummer, Identitätsnachweis, Rechtsform, Dauer der Unternehmenstätigkeit, Zulassungsnummer, Umsatzsteueridentifikationsnummer, relevante Transaktionsdaten und/oder alle Kontoinformationen.

Nicht weiter betrachtet werden die Datenbeziehungen bei Finanzprodukten, Geschäftspartnerschaften, Marketing und PR, Gruppenunternehmen, sonstigen Kooperationen und Auditoren.

Wow!

Dies sind alles Angaben, die in den Datenschutzgrundsätzen nachzulesen sind. Aber im Ernst: Wer liest das schon? Und was kann man dagegen machen? Die konsequente Forderung müsste sein, dass alle Beteiligten wenigstens bei nationalen Ver-/Käufen in Deutschland ansässig sind und nach deutschem Recht handeln. Als das letzte Mal die AGBs in diesen Punkten verändert werden sollten (neue Stellen mit Datenaustausch), habe ich einfach mal widersprochen. Ergebnis: Die Geschäftsbeziehung wurde beendet. Folge: Jetzt wird wieder mehr analog eingekauft - versandkostenfrei in Wiesbaden.

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