Gegenfrage: was versteht wer unter "Politik"?
Landauf landab kann man doch inzwischen feststellen, dass die 'Politik-Macher' fast nur noch aus Juristen bestehen, die Parlamente zu juristischen Fakultäten mutiert sind, die sich zwecks Machterhalt der eigenen Sippe juristische Spitzfindigkeiten um die Ohren hauen. 'Politik' ist verkommen zu einem Run auf die Gerichte, von denen sich die jeweilige Oligarchie ihre Rechte zusichern lassen will. Dafür hocken sie zusammen und baldowern tagtäglich aus, wie sie sich den gesamten Rechtsstaat zu nutze und zu eigen machen können - eben mit Spitzfindigkeiten.
Jeder der schon mal seine Rechte vor Gericht vertreten hat, weiss doch, dass es keine Rechte per se gibt, sondern dass sie stets von neuem ausgelotet werden, dass im Normalfall die Partei gewinnt, die den besseren - will sagen schlaueren, ausgebuffteren - Anwalt hat, der - ja ! - Spitzfindigkeiten anwendet.Und so werden wir inzwischen regiert - von Juristen mit den schlaueren Spitzfindigkeiten. Die Bürger selbst sind lediglich Wahlmasse in einem Schachspiel oder werden als Störfaktoren, sogar als "Tyrannei der Massen" empfunden.
Müssen Piraten sich diesem Politikverständnis anpassen? Piraten sind Demokraten, keine Rollenspieler im falschen Spiel! Wenn wir von einer juristischen Oligarchie regiert werden, die sich unseren Rechtsstaat mit ihren ausgeklügelten Spitzfindigkeiten zu eigen macht - schlimm genug! Wieso sollten Piraten sich daran messen lassen?
Der Kampf um einen besseren, gerechteren Staat ist nicht neu, vielleicht sollten wir noch einmal bei Platon anfangen (427-347). Er forderte in seinem Werk "De res publica" (über den Staat) sehr interessante Dinge, vor allem, dass der Staat von Philosophen geleitet werden soll. Davon sind wir weit entfernt, die uralte Forderung ist in höchstem Maße aktuell und bedenkenswert. "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen"(Th.W.Adorno)