Über 13.000 Überwachungskameras werden in Paris bis Ende 2011 an ein gemeinsames
öffentliches Netz angeschlossen. 12.600 mehr als die Hauptstadt Frankreichs bisher
hat. Das sind umgerechnet 35 Kameras mehr pro Tag. Eine Kamera überwacht dann 168
Personen. Auch das Material der Videokameras des öffentlichen Nahverkehrs und privater
Sicherheitsdienste - etwa in Kaufhäusern und Museen - wird ausgewertet werden.
Zudem darf das hieraus gewonnene Videomaterial nun einen Monat lang gespeichert
werden. Seit Februar ist es Geschäften und Unternehmen sogar erlaubt, öffentliche
Räume mit zu überwachen, was hierzulande wenigstens noch verboten ist, auch wenn
es selten geahndet oder gar kontrolliert wird.
"Die Videokameras ersetzen die Polizisten nicht, aber sie werden ihre Arbeitsweise
revolutionieren", sagt der Pariser Präfekt Michel Gaudin, zur Zeit werde ein Programm
entwickelt, um die Auswertung der Videoaufnahmen zu erleichtern.
Soweit die Zeitung 'Le Figaro'. Damit gesellt sich Paris zu Nizza, die schon
von einem Big Brother-Netzwerk überwacht werden (anschaulicher
Kurzbericht des Schweizer Fernsehens) und schließt zum großen Bruder London
auf.
Und was will Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) pünktlich zum zehnten Geburtstag
der ersten Kamera an der Konstablerwache? Eine mobile Videoüberwachung in Frankfurt
einführen,
berichtet der HR heute. "Es sei zudem fahrlässig, aus ideologischen Gründen
nicht alle rechtsstaatlich möglichen Mittel zur Bekämpfung von Kriminalität zu akzeptieren.",
wird Alexander Bauer, der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Hessischen
Landtag, in selbigem Artikel zitiert. Was wir gefälligst "akzeptieren" sollen, ist
jedoch zur Bekämpfung von Kriminalität nachweislich vollkommen ungeeignet. Kein
Verbrechen wurde wegen einer Kamera verhindert - allenfalls in nicht überwachte
Regionen verlagert.
Wem der Eindruck von Polizeibeamten vor einer Videowand noch nicht genügt, die täglich
24 Stunden lang beobachten, was jeder von uns gerade tut, der möge sich vorstellen,
was INDECT
aus solchen Daten zaubern kann. Automatische Auswertung einer Komplettüberwachung.
Wenn einem menschlichen Auge etwas entgehen sollte, was von der vorgegebenen Normalität
abweicht - INDECT
wird nichts entgehen. Das millionenschwere Forschungsprogramm der EU wird 2013 fertig
sein und uns alle, die wir ohnehin schon unter Generalverdacht stehen, lehren, was
konforme Normalität ist. Abnormales Verhalten wie z.B.:
- fluchen auf der Straße
- zu lange irgendwo sitzen
- sich mit zu vielen Menschen treffen
- Gepäck vergessen
- in die 'falsche' Richtung gehen
weckt die Aufmerksamkeit von Drohnen, fliegenden Kameras, die mit einem für solch
abnormales Verhalten sensibilisierten Programm ausgerüstet sind. Präventiv werden
die biometrischen Daten aus Ausweisen genutzt, um uns zu identifizieren. Dazu kommen
die Bewegungsdaten der Handyortung. Erkennen unserer Gespräche anhand von Lippenbewegungen.
INDECT hat auch Zugriff auf die Daten der Bürger, die Daten im Internet (Suchmaschinen,
Social Networks (Facebook, WKW etc.), Foren, Blogs, Chats...). INDECT wertet auch
Bilder im Internet per Gesichtserkennung aus.
Die Informationen über INDECT stehen offiziell für alle lesbar auf der Projektseite
der Europäischen Union (www.indect-project.eu).
Wer sich über INDECT informiert hat, der kann nur im höchsten Maße alarmiert sein,
wenn er die fortschreitende Kameraüberwachung und Datensammlungen verfolgt. Trotzdem
dürfen wir uns nicht mit Grauen abwenden - wir müssen hinsehen, uns dem entgegenstellen,
was da kommt und allen Menschen klarmachen, daß es sich hier weder um Science Fiction,
noch um irgendwelche Verschwörungstheorien handelt.
Klarmachen zum Ändern!